Vom Dilemma zum Tetralemma

Ingo Tiedemann

Umgang mit Dilemma-Situationen

Ambivalenz, Unübersichtlichkeit und steigende Komplexität sind Themen, mit denen wir uns bei der Bewältigung unserer täglichen Herausforderungen auseinandersetzen müssen. Dabei geraten wir immer wieder in Dilemma-Situationen, nicht lösbare Zwickmühlen, bei denen es anscheinend nur ein Entweder-Oder gibt.

Dies kann passieren, in dem wir viel zu lange an unmöglichen Lösungswegen festhalten, die uns in festgefahrene Situationen bringen. Aber auch das verfrühte Reduzieren von Komplexität kann dazu führen, dass wir mögliche Lösungsfelder ausblenden. Beispiel: Ich will etwas und ich will etwas anderes und es läuft zuwider ohne, dass ich schon weiß, ob es unvereinbar ist.

Nach Bernd Schmid beruht dieses Vorgehen auf dem von uns selbst aufgebauten „Glaubenssystem“, das in der Regel falsch ist, aber nicht in Frage gestellt wird. In Dilemma-Situationen gelingt es uns kaum tragfähige Lösungen in einem von uns selbst eng abgesteckten Zwickmühlen-Rahmen zu finden. Lösungen werden nur innerhalb des Bezugsrahmens gesucht.

Was es aber braucht, ist Abstand nehmen und wahrzunehmen, dass das „Glaubenssystem“ die enge Zwickmühlen-Wirklichkeit bestimmt. Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibed haben mit dem Tetralemma einen Ansatz entwickelt, bei dem Prämissen hinterfragt werden, und geprüft werden kann, was überhaupt möglich ist. Hieraus ergeben sich häufig bescheidenere, aber tragfähigere Lösungen.
Im Tetralemma werden 4+1 Positionen beschrieben, die helfen sollen, neue Lösungsoptionen zu erzeugen und erstarrtes, schematisches Denken zu überwinden.

  1. Das Eine: Der Standpunkt zu dem Du eher tendierst.
  2. Das Andere: die Alternative, das Abgelehnte, Nicht-Gewählte.
  3. Beides: Was wäre, wenn die Qualitäten aus beiden Standpunkten vereint wären?
  4. Keins von Beidem: Wie bin ich überhaupt in die Situation gekommen, dass ich mich jetzt entscheiden muss?
  5. All dies nicht – und selbst das nicht:

„All dies nicht“ erinnert uns daran, dass diese Positionen noch nicht das Ganze unserer möglichen Erfahrungen umfassen.

„Und selbst das nicht“ weckt die Ressourcen der Weisheit des Humors, des Kindlichen und erinnert daran, dass niemand den Strom des Lebens in der Tasche trägt.

Zusammenfassung:
Die Herausforderung in Dilemma-Situationen ist, dass wir den von uns selbst eng abgesteckten Zwickmühlen-Rahmen verlassen. Dies wird möglich, indem wir unsere Prämissen in Frage stellen, und das ohne Aussicht auf konkreten Gewinn oder Lösung. Durch das intensive Beschäftigen/Hineinspüren in die einzelnen Positionen, d.h. wenn wir das Problem aus dieser Position heraus betrachten, machen wir den ersten Schritt hin zum lösungsorientierten Handeln.
(Quelle ISB Campus)

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