Im Realitäten-TV – Hypnosystemische Konzepte in Beratung, Coaching und Supervision – Teil I

Jürgen Stock

Der menschliche Geist ist wie ein Fernseher mit Hunderten Kanälen.
Welchen Kanal schalten Sie ein?
Thich Nhat Hanh (geb. 1926), buddhistischer Mönch und Autor

 

Liebe Leser:innen – schön, dass Sie sich Zeit genommen haben!
Ich freue mich sehr darüber Sie heute zum Start unseres Realitäten-TV-Programms begrüßen zu dürfen. Ebenfalls freue ich mich darüber von Nadine Nierentz (Geschäftsführerin bei syspo excellence) die Möglichkeit und den Impuls bekommen zu haben, an dieser Stelle und in nächster Zeit kleine fortlaufende Reflexionen über die Grundlagen des hypnosystemischen Ansatzes anstellen zu dürfen. Mögen sie unser Verständnis der hypnosystemischen Konzepte erweitern und praktische Wege aufzeigen, wie damit neue Möglichkeiten in unserem Fühlen und Verhalten befördert werden können.
Let´s jump right into it.

Zunächst einmal, was ist das eigentlich – hypnosystemische Beratung?

Der Begriff «hypnosystemisch» charakterisiert ein Modell, welches systemische Ansätze für Psychotherapie und Beratung (Coaching, Teamentwicklung, Organisationsentwicklung etc.) mit den Methoden der kompetenzaktivierenden Erickson’schen Hypno- und Psychotherapie vereint.
Geprägt wurde dieser Begriff vom Volkswirt und Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie Dr. Gunther Schmidt.
Auf welchen Ideen und Grundannahmen basiert nun dieses hypnosystemische Modell? Beginnen wir gleich mit einer der wichtigsten Überlegungen im hypnosystemischen Kosmos:

  • Willkürliche und unwillkürliche Aufmerksamkeitsfokussierung schafft erlebte Realität

„Energy flows where attention goes“ ist nur eine andere Umschreibung für dieses Prinzip: Wir erschaffen uns unsere erlebte Realität durch die Art und Weise, wie wir unsere Aufmerksamkeit fokussieren.

Was die Positive Psychologie dazu sagt

Dazu gibt es im Rahmen der sogenannten „Positiven Psychologie“ inzwischen zahlreiche interessante Experimente: Werden Menschen z.B. aufgefordert, sich jeden Tag kurz Gedanken darüber zu machen, was sie am jeweiligen Tag zufrieden gemacht hat, schätzen sie ihr persönliches Glücksempfinden schon nach 6-8 Wochen wesentlich höher ein als zu Beginn des Experiments. Auch im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die „nur“ Tagebuchaufzeichnungen angefertigt hat, schneidet diese Gruppe deutlich besser ab. Hier handelt es sich um ein Beispiel für die Kraft von bewusster Aufmerksamkeits(um)fokussierung. Die im Augenblick recht populären „Glückstagebücher“ machen sich genau diese Idee zu Nutze: Wenn wir uns regelmäßig mit Fragen beschäftigen, womit wir heute zufrieden waren oder wofür wir in unserem Leben dankbar sind, wird sich unsere erlebte Realität nach und nach verändern, da wir die Suchscheinwerfer unserer Aufmerksamkeit auf Bereiche legen, die mit Zufriedenheit und Kompetenzerleben verbunden sind.

„Es“ geschieht ganz unwillkürlich…

Ein weiteres Beispiel ist das recht bekannte Modell des „Parallelen Denkens“ (auch „6-Hüte-Denken“ genannt) nach Dr. Edward de Bono. Hier wird zu einer bestimmten Fragestellung unter verschiedenfarbigen Hüten ein systematischer Perspektivwechsel angeregt. Durchläuft man nach und nach diese Blickwinkel, verändern sich häufig die ursprünglichen Gedanken und Gefühle zur Ausgangssituation ganz eklatant.
Nun gibt es im menschlichen Erleben natürlich jede Menge Prozesse, die unserer bewussten Steuerung erst einmal nicht so ohne weiteres zugänglich sind (z.B. das Immunsystem, die Verdauung, Herzschlag, unsere Träume u.v.m.). Auch unsere Emotionen laufen in der Regel ohne unser bewusstes Zutun ab und nicht selten fühlen wir uns sogar als Opfer unseres eigenen Erlebens. Man könnte auch sagen: „ES (die Gefühle) geschieht ganz unwillkürlich…“.
Eine zentrale Frage von Beratung, Coaching und Therapie ist es deshalb, wie man dieses „ES“ (die unwillkürlichen Prozesse) beeinflussen kann bzw. wie der bewusste Verstand mit ihnen in eine neue Form der Kooperation tritt. Genau diese Themen werden in den hypnosystemischen Konzepten und Interventionen verhandelt.

Ausblick

Seien Sie auch in der nächsten Folge wieder mit dabei, wenn es um die mysteriöse und doch so folgenreiche Hebb´sche Regel geht: „Cells that fire together wire together“…

Danke für´s Einschalten!

Jürgen Stock

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